Beteiligungs- und Ermöglichungskirche
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Beteiligungs- und Ermöglichungskirche

Als Kirchgemeinde entwickeln wir uns hin zu einer Beteiligungs- und Ermöglichungskirche. Kirche wird gemeinsam gestaltet und weiterentwickelt. Wir fördern und unterstützen Experimente und verstehen uns als Gemeinschaft, die miteinander neue Formen von Kirche und kirchgemeindlichem Leben ausprobiert und entwickelt.

Wir wollen den Quartier-Bewohnenden mit Ideen Raum geben

Vielleicht wollten Sie schon immer eine Tavolata organisieren. Oder fühlen sich fürs Vorlesen berufen, oder haben eine Idee für Weihnachten. Wenn irgendwie möglich, versuchen wir Sie und Ihre Idee zu beflügeln. Untenstehend erfahren Sie mehr zu den Kriterien und Rahmenbedingungen.

Als Kirchgemeinde entwickeln wir uns hin zu einer Beteiligungs- und Ermöglichungskirche. Kirche wird gemeinsam gestaltet und weiterentwickelt. Wir fördern und unterstützen Experimente und verstehen uns als Gemeinschaft, die miteinander neue Formen von Kirche und kirchgemeindlichem Leben ausprobiert und entwickelt.

Wir fördern und ermöglichen es Menschen, durch das Einbringen ihrer Begabungen und Ressourcen Kirche zu gestalten und zu konkretisieren. Wir schaffen eine Kultur des Engagements und der Partizipation, bei der alle Menschen, die das wollen und die
sich gemäss unserer Haltungen einsetzen (s. Punkt 2), einbezogen werden und gemeinsam Kirche gestalten können.
Damit bewegen wir uns «weg von einer Aufgabenorientierung, hin zu einer gabenorientierten Kirche, deren Gesicht die Beteiligten selbst sind» (Hauser 2020, S. 69). Die Aufgabe der Professionellen verschiebt sich entsprechend, da von ihnen nicht mehr erwartet wird, dass sie hauptsächlich Gottesdienste und Anlässe selbst gestalten, sondern mehr die Rolle von Coaches, Animierenden, Beratenden, Vernetzenden und Ermutigenden einnehmen.

Wir sind eine reformierte Kirchgemeinde und verstehen uns als hoffende Gemeinschaft, die da wo wir sind und wirken nicht aufgibt, eine Spur des Friedens, der Bewahrung der Schöpfung, der Gerechtigkeit und der Liebe zu legen. Wir verstehen uns als offene Gemeinschaft, in der Begegnung und Beziehung ermöglicht werden und in der es sowohl möglich ist, als Gast teilzunehmen, als
Beteiligte teilzuhaben, wie auch als Mitgestaltende aktiv Kirche zu entwickeln. Wir verstehen uns als pluralistische Gemeinschaft, in der jeder Mensch willkommen ist und in der sich alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit und Vielfalt angenommen und ernstgenommen fühlen. Wir verstehen uns als sorgende Gemeinschaft, die wach ist sowohl für die persönlichen Situationen der Menschen in ihrer Mitte, als auch für spirituelle, existenzielle und gesellschaftliche Themen und Fragen.

Die Gemeinde organisiert sich so, dass verschiedene Menschen mit ihren Begabungen und Ressourcen auf unterschiedliche Art und Weise aktiv werden können. Hierzu können Arbeitsgruppen oder Teams gebildet werden, die verschiedene Aufgaben und Verantwortlichkeiten übernehmen. Unter Partizipation verstehen wir verschiedene Möglichkeiten der Beteiligung, die eine unterschiedliche Form der Beteiligung mit sich bringen (Strassburger und Rieger 2014). Die Menschen werden eingeladen ihre Ideen und Bedürfnisse aktiv einzubringen, diese werden aber auch aktiv eingeholt. Dies kann über persönliche Kontakte geschehen, aber auch über bewusst gestaltete Beteiligungsprozesse, zu denen alle Interessierten eingeladen sind, an der Gemeindeentwicklung mitzuwirken. Die beauftragte Person der Begleitgruppe ist die erste Anlaufstelle für Ideen und Innovation. Die Begleitgruppe entscheidet, ob eine Idee der Vision und den Haltungen (vgl. Punkt 1 und Punkt 2) der Ermöglichungskirche entspricht und entscheidet gemeinsam mit den Personen, die Ideen einbringen die weiteren Schritte sowie die benötigten Unterstützungs- und Coachingangebote. Unterstützungs- und Coachingangebote können sein, dass ein «ThinkTank» eingesetzt wird, um eine Idee weiterzuentwickeln oder ein Projekt zu konkretisieren. Wenn nötig, unterstützt eine Person aus dem Kreis der Professionellen bei der
konkreten Planung. In jedem Fall wird den Engagierten aber ein Coach aus dem Kreis der Professionellen zur Seite gestellt, der/die als erste Ansprechperson berät, begleitet, fördert, unterstützt, wertschätzt, aber an der Umsetzung der Idee nicht zwingend mitwirkt. (Vgl. Leitfaden zur Freiwilligenarbeit 2022, S. 22-23) Die Beteiligung und das Engagement von nicht angestellten Menschen gilt als
freiwilliges Engagement. Dabei gilt der Grundsatz «Schenken und beschenkt werden». In Ausnahmefällen kann die Möglichkeit einer «Geschenkökonomie» geprüft werden. Die Begleitung, die Rechte und Pflichten von freiwillig Engagierten erfolgt gemäss Leitfaden zur Freiwilligenarbeit für reformierte Kirchgemeinden (2022). Dazu gehören etwa der unkomplizierte Zugang zu Räumlichkeiten und Infrastruktur, Vergütung der Spesen und Auslagen und ein ausreichender Versicherungsschutz durch die Kirchgemeinde (vgl. Leitfaden zur Freiwilligenarbeit 2022, S. 29).

Eine Idee, eine Aktivität, ein Projekt wird dann ermöglicht, wenn es der Vision und den Haltungen unter Punkt 1 und 2 der Kirchgemeinde Mattenbach entspricht und diese fördert und wenn es ausserdem einem Bedürfnis von mehreren Personen entspricht und möglichst in Freiwilligenarbeit umgesetzt werden kann (siehe am Ende des Abschnittes). Kommt die Begleitgruppe zum Entschluss, dass dies der Fall ist, kann die Idee finanziell unterstützt werden, wird sie ins Programm der Kirchgemeinde aufgenommen und so öffentlich beworben. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Kirchgemeinde oder deren Angestellte die Verantwortung für die Umsetzung übernehmen. Vielmehr unterstützen diese beratend und begleitend die freiwillig Engagierten bei der Planung, Umsetzung und Auswertung.

Eine Idee, ein Angebot, ein Projekt wird dann als externe Veranstaltung definiert, wenn die obigen Kriterien nicht erfüllt sind, es sich um eine private oder kommerzielle Veranstaltung handelt. In diesem Fall wird die Veranstaltung nicht auf den kirchgemeindeeigenen Informationskanälen beworben und weder finanziell noch personell unterstützt, sondern unterliegt den Regelungen für externe Vermietungen.

1) Eine Idee für eine Aktivität, ein Projekt wird geäussert.

2) Die Person(en) werden an die beauftragte Person der Begleitgruppe verwiesen, mit der sie die Idee besprechen kann. Die Idee muss noch nicht ausgereift sein.

3) Wenn die Begleitgruppe die Idee grundsätzlich spannend und passend zur Vision und den Haltungen der Ermöglichungskirche findet, gibt sie diese an die Initiant:innen zurück mit dem Auftrag mindestens zwei Personen zu finden, die von der Idee ebenfalls begeistert sind und bereit wären, entweder daran weiter zu denken oder diese umzusetzen.


4) Sobald die Person(en) weitere Interessierte gefunden haben, melden sie sich wieder bei der Begleitgruppe. Diese entscheidet gemeinsam mit den Ideenbringer:innen über die nächsten Schritte:
a. Braucht es einen ThinkTank, um die Idee weiterzuentwickeln und zu konkretisieren?
b. Welche Art Unterstützung für Planung und Start ist notwendig?
c. Was wird an Budget, Infrastruktur, Support etc. benötigt?
d. Wer aus den Reihen der Angestellten wird den Freiwilligen als Coach zur Seite gestellt?
e. Wann wird eine erste Bilanz gezogen, um gemeinsam zu entscheiden, ob oder wie es weitergehen soll?


5) Zum abgemachten Zeitpunkt evaluiert der/die Coach gemeinsam mit den Engagierten die Umsetzung der Idee und entscheidet mit ihnen zusammen, ob dies weitergeführt werden soll, oder ob es Anpassungen und Veränderungen braucht.

Für diesen Paradigmenwechsel hin zur Beteiligungs- und Ermöglichungskirche, der mit einem Rollenwechsel der Professionellen einher geht, erhalten die Professionellen entsprechende Weiterbildung und Förderung.

Wir evaluieren regelmässig unser Konzept und die Prozesse. Dadurch kann sich die Ermöglichungskirche kontinuierlich verbessern und weiterentwickeln.

Konzept-Download

Klicken Sie auf das Icon links und laden Sie sich obiges Konzept als PDF herunter.

Bei Fragen stehen wir sehr gerne zur Verfügung.